Aechmea fasciata - im Tropenhaus des National Botanic Garden of Wales
 

Blumen für die Sekretärin und ein Porsche für den Chef

Oder warum der Manufactum-Katalog nicht bei jedem liegt

Haben Sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht, warum wir Dinge tun, wie wir sie tun? Also jetzt weitergehend als "das macht man halt so". Sicherlich ist das irgendwie auch müßig - aber Verständnis versetzt den Menschen in die Lage Dinge bewusst zu machen - oder zu lassen und damit vielleicht auch besser zu nutzen.

Der US-amerikanische Soziologe Herbert Bulmer entwickelte 1937 in Chicago dazu die Theorie des Symbolischen Interaktionismus - ein Versuch die Persönlichkeit und das menschliche Miteinander über Symbole und deren Bedeutung zu erklären. Er setzte damit die Ideen seines Lehrers George Herbert Mead fort, der den Menschen stärker als durch seine Umwelt geprägtes Wesen verstand und weniger als Produkt angeborener Eigenschaften.

Also bekommt die Sekretärin Blumen - ein Symbol für Anerkennung, für Tüchtigkeit bei einem Dienstjubiläum, zum Geburtstag - weil man das so macht. Sicherlich könnte man mit einem kleinen Diamanten Anerkennung zollen - aber neben monetären Erwägungen, würde auch gleich ein Schwall von anderen Dingen damit assoziiert werden. Geben Sie es zu - Sie denken jetzt auch an etwas anderes als aufopferungsvolles Tippen.

Reaktion ist wichtig

Und was macht die Sekretärin - brav freut sie sich über die schönen Blumen - auch wenn sie diese vielleicht gar nicht so mag. Sie weiß - wenn sie jetzt enttäusch dreinschaut, ist das auch ein Symbol - ein Klatsche in das Gesicht des Schenkenden. Aber sie ist die Stütze des Unternehmens und rebelliert nicht - nicht wegen Blumen. Sie hat - so Mead - ein soziales Ich. Mead nennt es "me" - eine Erwartungshaltung an sie, der sie zu entsprechen sucht. Geprägt durch viele Interaktionen. So weit so gut - so einfach.

Und sollten es Rosen sein, Nelken oder gar eine blühende Aechmea fasciata - das sind die rosa Dinger mit den Stacheln. Auch hier wird jeder Art von Blumen ein gewisser Symbolgehalt zugewiesen - je nach der umgebenden Gesellschaft. Ein Symbol hat nur dann Sinn, wenn es von den relevanten Anderen auch verstanden wird. Der bunte Mischstrauß ist dann oft die cleverste Wahl - außer man sieht der Beschenkten an, dass sie sich eher dem Minimalismus nahe fühlt. Wir alle entwickeln im Laufe des Lebens eine Persönlichkeit - geprägt durch "signifikante Andere" - also Vorbilder. Das Bild, das ich von mir habe - Mead nennt es "I", und das, was andere von mir haben und haben sollen, sind nicht identisch.

Erfolg wird gerne gezeigt - das gehört meist zum angestrebten Bild

Zwei Brüder sind zusammen aufgewachsen - aber sie fanden für sich unterschiedliche "signifikante Andere". Einer sieht sein Lebensziel in Genuss und Müßiggang - abhängen, etwas trinken, mal ein Pfeifchen rauchen - so soll es sein. Nur kein Stress. Etwas Geld für das erträgliche Leben - etwas mehr für gute Lautsprecher. Auch mal ein Konzert. Musik schafft ein gutes Gefühl. Seine Kumpels finden das geil. Peace!

Der Andere hat von vornherein für sich beschlossen - "du machst Karriere". Fleißig und geradlinig voran. Schule glatt durchlaufen, ein paar wilde Parties - das war es. Vorbildliche Karriere, Führungsverantwortung und Geld. Und dann natürlich der Porsche - das gehört irgendwie dazu - wenn man es sich leisten kann. Der Porsche ist nicht nur ein Auto (fahren tut auch ein Toyota Auris), das ist ein Lebensgefühl. Und man erwartet es auch von ihm. Wie auch schicke Garderobe, ein perfektes Haus und all das. Sie erinnern sich vielleicht an die Sparkassenwerbung.

Die Werbeindustrie schafft ganz Lebenswelten, die so einem Bild entsprechen. Und sie hat sie nicht erfunden - sondern nutzt es nur gezielt. Und jeder von uns kennt ganze Sätze von Symbolen, die eine Stellung und einen sozialen Status ausmachen. Für eine Rolle, die jemand ausfüllt. Irgendwann darf es nicht mehr Ibiza sein - Malediven müssen schon drin sein. Wobei aktuelle Gedanken wie Umweltschutz und verantwortungsvolles Handeln die Wertegefüge stark beeinflussen können - der Inhalt der Symbole ist im Wandel.

Intuition ist oft Symbole erkennen

Oft reichen schon wenige Dinge und Sätze aus - um zu erkennen, wo ein Mensch sich einordnet. Garderobe, Auto, wo geht er essen und was isst er. Der Verkäuferin, die sich mittags etwas vom Bäcker holt und schon öfter eine hübsche Bluse bei Aldi gefunden hat, brauchen Sie möglicherweise erst gar nicht mit dem Manufactum-Katalog zu kommen. Sie gibt sich wahrscheinlich eher pragmatisch als statusbetont - die aufwendig gefertigten Güter findet sie vielleicht sogar eher albern.

Sie im Vertrieb kennen das - Sie informieren sich über die Menschen - Sie schätzen sie ein. Sie wissen, wem Sie was mitbringen dürfen. Was Bulmer und Mead als Theorie zusammengefasst haben, ist ein Versuch die uns umgebende komplexe Wirklichkeit in erfassbaren Vorgängen zu ordnen. Das kann immer nur näherungsweise vonstattengehen. Aber wenn Sie das nächste mal jemandem einen Strauß Blumen schenken - denken Sie mal darüber nach, was Sie da eigentlich tun.

Wenn Sie mehr über die Theorie des Symbolischen Interaktionismus wissen möchten - z. B. bei Wikipedia finden Sie eine interessante Darstellung.

Mehr auch bei "Der Kanzlerin": Smalltalk oder: Reden wir doch einfach über Brunhilde

Bild: Col Ford and Natasha de Vere: col&tasha | flickr.com

 

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