Schulmädchen und einfache Rechenaufgabe
 

Ausbildung in der Berufsschule und im Unternehmen

Pünktlich zum Ende des Jahres hat die Internetplattform ausbildung.de eine Auszubildenden-Studie erstellt, in dem die aktuelle Situation von über eintausend befragten Berufsschülern in Deutschland thematisiert wird.

Den Ergebnissen nach hat der durchschnittliche Auszubildende das Abitur, ist 21 Jahre alt, hat für jedes Lebensjahr eine Bewerbung geschrieben, um in einem kaufmännischen Beruf eine Stelle zu bekommen. Er verdient um die 570 Euro im Monat. Der Azubi geht lieber zur Arbeit, als in die Berufsschule, fühlt sich zwar mit seiner Berufswahl zufrieden, aber in der Ausbildung unterfordert.

Obwohl ich an der oben genannten Befragung nicht teilgenommen habe, spiegeln die Ergebnisse auch meine potentiellen Antworten wider. Seit fast eineinhalb Jahren bin ich Auszubildende bei der salesjob Personalberatung in Berlin. Ich habe einen Abiturabschluss, bin 25 Jahre alt und lasse mich zur Kauffrau für Bürokommunikation ausbilden. Allerdings habe ich mehr als zwanzig Bewerbungen geschrieben, um einen Ausbildungsplatz zu erhalten. Mein Verdienst entspricht in etwa dem genannten Durchschnittsgehalt. Auch ich fühle mich bei der Arbeit besser aufgehoben, als in der Berufsschule.

Ausbildungsbetrieb

Laut ausbildung.de ist fast ein Fünftel im Betrieb nicht glücklich, das heißt, dass circa zwanzig Prozent eine Optimierung in ihrer Ausbildungsstätte wünscht. Die Anforderungen, die Mitarbeiter und Chefs an ihre Auszubildenden stellen, sind im täglichen Arbeitsumfeld integriert. Nicht immer sind diese ihren Fertigkeiten angepasst. Das Klischee von Kaffeekochen und Blumengießen entspricht in manch einem Unternehmen der Wirklichkeit. In Konzernen kann es passieren, dass ein Einzelner mal untergeht, weil dem persönlichen Ausbilder die Zeit fehlt (da er ja neben seiner Arbeit noch viele andere Azubis zu betreuen hat). Und um diesen Einen zu beschäftigen, soll er ausbildungsfremde Arbeiten verrichten. Dann ist es selbstverständlich, dass sich dieser Lehrling unterfordert fühlt. In solchen Situationen sollte am besten das Gespräch mit dem Vorgesetzten gesucht werden, denn die zwei oder drei Jahre Ausbildung sind zum Lernen und Erlernen neuer Fähigkeiten und Kompetenzen da.

Auch ich verrichte täglich Arbeiten, die nicht so in meinem Ausbildungsplan stehen. Dazu gehören auch Kaffee kochen, Spülmaschine ein- und ausräumen, mal zum Staubsauger greifen, wenn draußen Schmutzwetter ist und dadurch der Dreck an den Schuhen haften bleibt. Aber damit verbringe ich nur einen sehr geringen Teil meiner Arbeitszeit. Im Verhältnis dazu beschäftige ich mich mit ausbildungsförderlichen Aufgaben. Größtenteils unterstütze ich meine Kollegen bei ihren Projekten, also bei der Suche nach passenden Bewerbern für unsere Kunden. Ich verantworte den Postein- und -ausgang, den Einkauf von Büro- und Hygienematerialien, empfange Gäste, richte den Besprechungsraum her.

Berufsschule Etwa ein Drittel der über eintausend Lehrlinge ist dem Ergebnis des Azubireports nach mit ihrer Berufsschule unzufrieden. Ursprünglich waren Lehrstellen für Haupt- oder Realschüler bestimmt. Mittlerweile beginnen immer mehr Abiturienten eine Ausbildung. Diese fühlen sich dann an der Berufsschule unterfordert, weil das Niveau zu niedrig gehalten wird oder die Lerninhalte zu uninteressant sind. Berufsschulen achten zwar darauf, nach Abschlüssen differenzierte Klassen zu bilden. Allerdings kann der Lehrplan nicht umgeschrieben und angepasst werden.

Wer denkt, dass eine Schule für kaufmännische Berufe gut organisiert sei, sollte zu meiner Berufsschule gehen. Ich gehöre in gewisser Weise zu dem Drittel, dass sich nicht mit der Schulsituation zufrieden gibt. Gerade in den ersten Schulwochen fielen Unterrichtsstunden aus, ohne uns vorher zu informieren (der Onlinestundenplan wurde nicht täglich aktualisiert) und ohne eine zeitnahe Vertretung zu finden. Aber dann gab es auch Wochen, da hatte meine Klasse für ein Fach vier verschiedene Vertretungslehrer. Verständlich, dass der ein oder andere Schüler dann nichts lernt, weil jeder Lehrer seine eigene Art Themen erklärt. Was ich auch unverständlich finde, ist, dass uns Lernstoff aufgebrummt wird, der nicht prüfungsrelevant ist. Gerade bei einer von drei auf zwei Jahren verkürzten Ausbildungszeit sollten die Prioritäten bei der Prüfungsvorbereitung liegen.

Duale Ausbildung Die duale Ausbildung schreibt aber nun einmal vor, dass theoretische Wissensvermittlung über die Berufsschule läuft und die Praxis im Unternehmen stattfindet. In gewisser Weise finde ich das auch sehr vernünftig, denn so können die Auszubildenden ihr Wissen praxisnah anwenden.

Andererseits kann ich mir vorstellen die Zeit, wenn ich eine Woche Berufsschule habe, mit sinnvolleren Tätigkeiten auszufüllen. Die Pausen sind zu lang, eigene Denkansätze werden nicht anerkannt, lieber geradlinig mit Scheuklappen auf Fragen antworten, nicht versuchen zu verstehen oder zu hinterfragen, sondern einfach nur anwenden. Im Unternehmen wird es schon eher gerne gesehen, wenn Fragen gestellt werden, versucht wird, Probleme eigenständig zu lösen oder auch Verbesserungen angeregt werden. Natürlich alles im Rahmen des Machtbaren und ohne Befugnisse zu überschreiten.

Unsere Auszubildende Anne Lobach zog eine Zwischenbilanz zum Ende des Jahres.

Bild: Alexandra H. / pixelio.de

Berlin, 20.12.2013

 

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