Gehaltsvorstellungen: Was gebe ich an?

• In vielen Stellenanzeigen finde ich die Bitte, die Gehaltsvorstellungen zu nennen. Ist es tatsächlich angebracht, meine Gehaltsvorstellungen anzugeben? Und wenn ja, nenne ich mein Ist-Gehalt oder mein Wunsch-Gehalt? Wie reagieren Personaler, wenn ich zu hoch pokere? Sinken dadurch meine Chancen für die Stelle, weil ich zu teuer erscheine? Und wenn mein aktuelles Gehalt unter dem zu erwartenden Gehalt liegt, könnte ich dann dort weniger verdienen, einfach weil ich nicht wusste, was drin gewesen wäre?

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Die Frage nach den Gehaltsvorstellungen – was gebe ich an?

Manch ein Bewerber, der sich mit der Frage herumschlägt, wie er seine Gehaltsvorstellungen beziffern soll, entschließt sich, das Thema einfach zu vermeiden. Dieser Entschluss mündet dann in Sätze wie „Meine Gehaltsvorstellungen möchte ich gerne im persönlichen Gespräch erörtern.“

Es soll Arbeitgeber geben, die mit diesem Satz zufrieden sind. Aber auch solche, die eine Summe von Ihnen lesen möchten. Sie sollten sich also mit der Frage auseinander setzen. Früher oder später werden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas dazu sagen müssen. Spätestens, wenn Ihr neuer Arbeitsvertrag zur Unterschrift vorliegt.

Andernorts (z.B. in England oder auch in Österreich) ist es üblich oder gar gesetzlich verpflichtend, eine Verdienstspanne schon in der Anzeige zu benennen. Dort werden aber häufig Mindestgehälter angegeben. Die Angabe hilft also nicht wirklich weiter. In Deutschland nutzen Unternehmen die Frage nach dem Gehaltswunsch eher, um sich über das Einschätzungsvermögen des Bewerbers zu informieren.

Zu hoch oder zu niedrig?

Natürlich hat der Bewerber damit Sorge, sich durch die Nennung eines zu hohen Gehaltswunsches aus dem Rennen zu werfen. Das ist übrigens einer der Gründe, warum Bewerbungen aus einem ungekündigten Arbeitsverhältnis heraus um so unendlich angenehmer sind, als mit einer Kündigung in der Tasche oder aus der Arbeitslosigkeit heraus!

Dabei ist es dann hilfreich, sich bewusst zu machen: Unternehmen suchen nicht den „billigsten“ Kandidaten. Sondern denjenigen, der ins Gehaltsgefüge des Unternehmens passt und von dem auch anzunehmen ist, dass er nicht in Kürze mit seinem Einkommen unzufrieden sein wird.

Eben das wird (häufig berechtigter Weise) befürchtet, wenn eine Fachkraft aus einem Großunternehmen kommt und dort 60.000 Euro verdient hat und nun bei einem kleinen Mittelständler 40.000 Euro für eine ähnlich gelagerte Stelle verdienen soll. Wer in diesem Fall sein bisheriges Gehalt als Zielgröße benennt, der passt nicht in die neue Arbeitsumgebung.

Gute Vorbereitung zum Thema ist das A und O!

Gehälter sind nicht absolut zu setzen, sondern richten sich nach der Größe eines Unternehmens, nach der Region, der Branche, nach den individuellen Voraussetzungen des Bewerbers. Und natürlich auch danach, wie stark die gesuchte Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt gefragt ist. Informationsquellen sind Tarifverträge und kostenfreie oder auch kostenpflichtige Gehaltsanalysen.

Überlegen Sie sich also, wie wichtig Ihnen der Job ist. Für einen Berufsanfänger ist ein gelungener Einstieg in einen Job mit interessanten und zukunftsträchtigen Themen wichtig. Dieser Einstieg zahlt sich in den ersten Berufsjahren mit hoher Wahrscheinlichkeit aus. 5000 Euro mehr oder weniger Jahresgehalt spielen dagegen fast keine Rolle. Jedenfalls keine so große, dass man deswegen riskieren sollte, aus dem Rennen zu fliegen.

Jemand mit langer Arbeitslosigkeit braucht erst mal ein Unternehmen, das bereit ist, sich unter diesen Voraussetzungen auf ihn einzulassen. Ein gesuchter Spezialist in seinem Gebiet mit mehreren offenen Angeboten auf dem Tisch kann pokern und seine Gehaltsvorstellungen höher ansetzen.

Bild: Stephan Funke | pixelio.de

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