Diebstahl am Arbeitsplatz: Das ist kein Kavaliersdelikt!

Verschiedene Studien decken es immer wieder auf: Jeder Vierte greift im Büro gerne mal zu und lässt nützliche Sachen in der eigenen Tasche verschwinden. Diebstahl am Arbeitsplatz ist allerdings kein Kavaliersdelikt und kann unangenehme Folgen mit sich bringen.

Diebstahl am Arbeitsplatz

Gelten schon Kleinigkeiten als Diebstahl am Arbeitsplatz?

Jeder Vierte klaut am Arbeitsplatz. Dabei führen Schreibgeräte die Liste der Lieblingsobjekte an, gefolgt von Papier und Büro- und Heftklammern. Zaghafter gehen Bürodiebe bei teureren Sachen, wie Aktenordnern oder Tonern, vor. Doch auch hier schrecken einige Bürodiebe nicht zurück.

Auffällig ist außerdem, dass nicht einmal der Kühlschrank mit Essen und Getränken von Kollegen verschont bleibt. Doch unabhängig vom letztendlichen Diebesgut kann Diebstahl am Arbeitsplatz unangenehme Folgen haben.

Mögliche Folgen von Diebstahl am Arbeitsplatz

Der vermutlich berühmteste Fall für eine Kündigung wegen Diebstahl am Arbeitsplatz ist der einer Kassiererin, die einen nicht eingelösten Pfandbon eines Kunden einfach selbst einlöste und das Geld in die eigene Tasche steckte. Hier ging es um Cent- oder geringe Euro-Beträge. Dennoch sprach der Arbeitgeber die Kündigung aus.

Im Sinne des § 242 Strafgesetzbuch (StGB) wird Diebstahl so beschrieben, dass jemand eine fremde bewegliche Sache einem anderen entwendet unter der Absicht, sich oder einem Dritten diese Sache zu verschaffen. Dabei gibt es, nach Gesetz, keine Abgrenzung nach Geldwerten. Stattdessen trifft die Bezeichnung des Diebstahls auf alle körperlichen Gegenstände zu – auch auf Pfandbons, Kugelschreiber oder Briefumschläge – oder Geld.

Doch was können die Folgen von Diebstahl am Arbeitsplatz sein? Hier hat der Arbeitgeber verschiedene Möglichkeiten, gegen den Diebstahl vorzugehen. Angefangen bei einer Abmahnung, über eine ordentliche Kündigung, bis hin zur fristlosen Kündigung stehen ihm drei Alternativen offen. Für welche er sich entscheidet, hängt wiederum von unterschiedlichen Faktoren ab. Die Abmahnung ist die vermutlich schwächste Form, den Diebstahl zu „bestrafen“. Anders verhält es sich bei der Kündigung. Ist das Vertrauensverhältnis nachhaltig zerstört, kann der Arbeitgeber durchaus auch zu dieser härteren Form der Strafe greifen.

Fristlose Kündigung wegen Diebstahl am Arbeitsplatz

Vermutlich ist bei Diebstahl von Büromaterial in den wenigsten Fällen eine fristlose Kündigung gerechtfertigt. Wer fristlos kündigt, dem ist eine weitere Zusammenarbeit nachweislich unzumutbar. Unterschlagung und Betrug sind beispielsweise Punkte, die schnell zur fristlosen Kündigung führen können. Doch auch, wer am Arbeitsplatz klaut, kann die fristlose Kündigung erhalten. Dies ist zwar immer vom Einzelfall abhängig.

Doch wer im Rahmen seiner ihm anvertrauten Tätigkeit klaut, liefert einen großen Vertrauensmissbrauch. Als Beispiel sollen uns auch hier die Kassierer dienen. Klaut ein Kassierer Geld aus der Kasse, ist eine weitere Zusammenarbeit unzumutbar. Steckt er sich hingegen „nur“ eine Traube der verkauften Waren in den Mund, ist eine weitere Zusammenarbeit eher denkbar. Hier würde es vermutlich nur zur Abmahnung kommen.

„Das kalkulieren die doch mit ein“

Larissa K., Werkstudentin in einem großen Industrieunternehmen, fragt, ob sie für ihre Recherchearbeiten zur Bachelorthesis einen Ordner und einen Stift vom Unternehmen haben dürfte. Jan F., seit kurzem neuer Mitarbeiter im Unternehmen, sieht das ganz simpel. „Stecks einfach ein – die kalkulieren das doch eh mit ein!“ Nach diesem Statement brach eine kurze aber heftige Diskussion unter den Kollegen aus. Das Fazit daraus war, abgesehen von Jan F., einstimmig. Egal ob einkalkuliert oder nicht: Einfach eingesteckt – und damit geklaut – wird nicht!

Bild: XiXinXing | shutterstock.com

Zurück