Absage durch den Arbeitgeber – Vorsicht bei der Begründung!

Kommt die Absage durch den Arbeitgeber auf eine Bewerbung, möchten 84 Prozent der Kandidaten den Grund erfahren. Das ergab eine Umfrage der ManpowerGroup. Was für Personalverantwortliche bei zig Bewerbungen zur Routine gehört, lässt für den Bewerber viele Fragen offen. Zum Beispiel, ob es an den fachlichen Qualifikationen, an der Berufserfahrung oder schlicht an der Form der Bewerbung gelegen hat.

Absage durch den Arbeitgeber

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz berücksichtigen

Durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das seit 2006 in Kraft ist, gibt es jedoch sehr klare Bestimmungen, was den Absagegrund betrifft. Seither sind Personalverantwortlichen oftmals die Hände gebunden, wenn es um ein ehrliches Feedback geht.

Das Gesetz soll Diskriminierung vorbeugen, im Hinblick auf das Geschlecht, die ethnische Herkunft, Weltanschauung, die Religion, das Alter, die sexuelle Identität oder eine Behinderung. Was ist, wenn die Absage durch den Arbeitgeber einen Rückschluss auf einen der genannten Punkte zulässt? In diesem Fall läuft dieser Gefahr, auf Schadensersatz verklagt zu werden.

Vorsicht bei vermeintlich harmlosen Absagegründen

Selbst wenn der Arbeitgeber im Absageschreiben als Grund eine zu lange Kündigungsfrist angibt, lehnt er sich bereits recht weit aus dem Fenster. Dann kann der Bewerber nämlich einen Nachweis verlangen, der belegt, dass der eingestellte Jobanwärter eine kürzere Kündigungsfrist hatte.

Auf Nummer sicher gehen Unternehmen, wenn sie die Absage möglichst neutral formulieren. Dies kann beispielsweise so aussehen:

„Vielen Dank für Ihre Zusendung Ihrer Bewerbungsunterlagen. Leider müssen wir Ihnen jedoch mitteilen, dass wir uns für einen anderen Bewerber entschieden haben, der hinsichtlich seiner fachlichen Qualifikationen noch besser auf die ausgeschriebene Stelle passt. Wie bedanken uns für Ihr Interesse an unserem Unternehmen und wünschen Ihnen für Ihren weiteren Weg alles Gute.“

Was, wenn der Bewerber nach der Absage durch den Arbeitgeber telefonisch nachhakt?

Unternehmen sind nicht verpflichtet, die Absage näher zu begründen. Auch dann nicht, wenn der Bewerber telefonisch nachhakt. Absolutes Schweigen kann sich allerdings auch negativ auswirken. Nämlich dann, wenn sich der abgelehnte Bewerber diskriminiert fühlt.

So schreiben die Richter des Europäischen Gerichtshofes in einem entsprechenden Urteil: „Die Verweigerung des Zugangs zu Informationen kann (…) ein Gesichtspunkt sein, der im Rahmen des Nachweises von Tatsachen, die das Vorliegen einer Diskriminierung vermuten lassen, heranzuziehen ist.“ Dann müssten Arbeitsgerichte individuell entscheiden.

Anonymisierte Bewerbungsverfahren könnten daher zukünftig eine sinnvolle Alternative sein, da sie einerseits dazu beitragen würden, die Prozesse transparenter zu gestalten und andererseits das Feedback ein wenig konkreter ausfallen könnte.

Bild: James Emery | flickr.com | CC by 2.0 | Ausschnitt

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