Feedbackkultur am Arbeitsplatz

Veröffentlicht 01.07.2015 | Update 26.07.2022 | Lesedauer: 5 Minuten

Das Wort »Feedback« kennt jeder. Es gehört mittlerweile wie selbstverständlich zur Umgangssprache. Auch im Zusammenhang mit unserem Arbeitsalltag begegnet es uns ständig. Eine offene, konstruktive Feedbackkuktur in Unternehmen soll Motivation, Leistungsbereitschaft und Weiterentwicklung der Mitarbeiter fördern – so zumindest die Theorie. Doch diese Erkenntnis hat sich längst nicht überall durchgesetzt. In vielen Unternehmen herrscht immer noch das Motto »Nicht geschimpft ist Lob genug« oder man verwechselt konstruktive Kritik gerne mal mit Tadel. Was versteht man eigentlich unter Feedback-Kultur? Warum ist es wichtig, Feedback am Arbeitsplatz zu bekommen und genauso geben zu können?

Inhalt
Feedbackkultur Definition
Warum ist Feedback wichtig?
Was macht eine gute Feedback-Kultur aus?
Feedback-Kultur etablieren und verbessern
Fazit

Feedbackkultur in Unternehmen

Definition: Was ist eine Feedbackkultur?

Feedback kann man ganz einfach mit Rückmeldung übersetzen. Eine solche Rückmeldung ist die Reaktion einer Person auf eine bestimmte Handlungsweise einer anderen Person. Im Arbeitsleben kommen diese Reaktionen von Vorgesetzen, Teamkollegen, aber beispielsweise auch von Kunden, und beziehen sich auf unsere Leistung und unser Verhalten am Arbeitsplatz. Sie fallen dabei – je nachdem, wer Feedback gibt – ganz verschieden aus, was zugleich bedeutet, dass eine persönliche Rückmeldung immer einen subjektiven Charakter hat.

Der Begriff Kultur lässt sich wesentlich schwieriger fassen. Kultur meint im weitesten Sinne alles vom Menschen Gestaltete und Geschaffene. Sie basiert auf gemeinsamen Wertevorstellungen und Regeln. Der Kulturbegriff als solcher wird in ganz unterschiedlichen Kontexten verwendet. Auf den Job heruntergebrochen ist dann die Rede von Arbeits- bzw. Unternehmenskultur. Welche Werte vertritt das Unternehmen? Welche sozialen Regeln und Arbeitsnormen gibt es? Dadurch bestimmt sich, was im Job erwünscht ist und was nicht.

Kultur und Feedback zusammen genommen definieren, ob, wann und in welcher Form eine Rückmeldung auf Leistung und Verhalten der Mitarbeiter erfolgt. Eine Feedbackkultur in Unternehmen kann gut und offen, genauso aber negativ geprägt oder gar nicht vorhanden sein. Neue Arbeitsformen, die insbesondere im Zuge der New Work Bewegung entstanden sind, verlangen nach einem neuen Miteinander. Gerade für die jüngeren Generationen gehört eine gute Feedback-Kultur einfach dazu.

Wie steht es um die Feedbackkultur in Unternehmen?

Verschiedenen Umfragen zufolge erachtet die überwiegende Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer Feedback für ausgesprochen wichtig. In dieser Hinsicht ist häufig noch reichlich Luft nach oben. Denn im Schnitt bekommt weniger als die Hälfte regelmäßig eine Rückmeldung vom Vorgesetzen. Vor allem jüngere Mitarbeiter glauben, dass ihre Leistungen nicht genügend anerkannt werden und wünschen sich mehr Lob. Umgekehrt scheint es bei Führungskräften oft an Kritikbereitschaft zu fehlen. Nur knapp ein Drittel der Arbeitnehmer erlebt es, dass ihr Vorgesetzter bei ihnen Feedback zu seinen eigenen Leistungen oder seinem Führungsstil einholt. Eine wirklich konstruktive Feedback-Kultur ist jedoch keine Einbahnstraße – sie muss nach allen Seiten funktionieren.

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Warum ist Feedback wichtig?

Ist meine Arbeit eigentlich gut? Erfülle ich die in mich gesetzten Erwartungen oder kann ich etwas besser machen? Wer nicht weiß, wo er steht, kann auch nicht wissen, wie es weitergeht. Wir benötigen die Resonanz anderer, um eigene Stärken und Schwächen zu erkennen. Lob und Kritik zeigen uns, ob wir mit unserem Tun »richtig liegen«. Lob wirkt bestätigend und motivierend. Kritik wird zwar häufig negativ assoziiert, in der richtigen Form vorgebracht, zwingt sie uns zur Selbstreflektion und hilft uns, Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten und uns weiterzuentwickeln.

Wenn Feedback fehlt, fehlt uns zugleich die Orientierung und wir verharren im Status Quo und der berühmte »Dienst nach Vorschrift« kehrt ein. Auf lange Sicht kann das den Verlust von Innovationsfähigkeit, Stagnation und Resignation bedeuten. Mitarbeiter fühlen sich ihrem Unternehmen weniger oder gar nicht verbunden und sind eher bereit zu wechseln.

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Was zeichnet eine offene Feedbackkultur aus?

Feedback ist also einerseits wichtig für die persönliche Entwicklung, aber auch für eine effektive Zusammenarbeit im Team. Es hat unmittelbare Auswirkungen auf Produktivität und Motivation und damit letztendlich auf den unternehmerischen Erfolg insgesamt. Trotzdem fällt es uns oft schwer, eine ehrliche Resonanz auf das Verhalten einer anderen Person zu geben, weil wir negative Konsequenzen befürchten. Damit überhaupt eine Feedback-Kultur entstehen kann, muss das nötige Vertrauen vorhanden sein. Dabei hat das Arbeitsklima einen entscheidenden Einfluss auf die Vertrauensbildung.

Transparenz und eine offene Kommunikation im Unternehmen – unabhängig von Hierarchien – sowie der richtige Umgang mit Fehlern sind wesentliche Grundlage für Vertrauen. Jeder Einzelne sollte sich sicher fühlen können, Feedback zu geben und anzunehmen. Die Feedbackkultur muss zum Wertekanon des Unternehmens fest dazugehören. Sie soll so gestaltet sein, dass sie allen Mitarbeitern hilft, voranzukommen – Führungskräfte nicht ausgenommen. Nur wenn Feedback als gegenseitiges Geben und Nehmen zum Wohle aller verstanden wird, entfalten sich die Vorteile voll.

Vorteile einer offenen Feeback-Kultur:

» Feedback bringt neue Ideen und Impulse aus anderen Perspektiven
» Mitarbeiter können ihre persönlichen Stärken ausbauen
» Fehler werden nicht veruteilt, sondern als Chance zur Verbesserung gesehen
» Es entsteht ein permanenter Lerneffekt
» Die Zusammenarbeit im Team wird transparenter und effektiver
» Schwachstellen werden schneller erkannt
» Die Organisation kann sich gemeinsam weiterentwickeln

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Feedbackkultur etablieren

Eine gesunde Feedbackkultur zu etablieren und stetig zu verbessern – das passiert nicht so einfach nebenbei. Denn wie gesagt: Eine solche Kultur muss in der gesamten Unternehmens-Philosophie verankert werden. Das umfasst besonders Aspekte der Mitarbeiterführung. Eine wertvolle Art des Feedback-Gebens entwickelt sich nicht in einer von Befehl und Gehorsam geprägten Arbeitsatmosphäre. Führungskräfte müssen deshalb selbst offen für Feedback sein und mit gutem Beispiel vorangehen.

Der erste Schritt in die richtige Richtung ist eine respektvolle, wertschätzende Kommunikation. Sie erleichert auch die Annahme oder das Aussprechen von Kritik – für viele Menschen ein wunder Punkt. Es gilt, ein Arbeitsumfeld zu etablieren, wo Mitarbeiter keine Angst haben müssen, auszusprechen, was aus ihrer Sicht nicht passt und wo umgekehrt gute Leistungen gewürdigt werden. Feedback geben und annehmen ist nie einfach. Den offenen Umgang mit Kritik und Gefühlen muss man erlernen und üben.

Jährliche Mitarbeitergespräche sind zwar in vielen Unternehmen üblich. Für eine richtige Feedback-Kultur kommt es aber vor allem auf Kontinuität an. Idealerweise finden erste Feedbackgespräche bereits während der Onboarding-Phase neuer Mitarbeiter statt. Feedback soll regelmäßig und gegenseitig erfolgen. Sei es im Einzelgespräch, in Besprechungen mit dem Team, durch Mitarbeiterbefragungen oder durch Feedback von Kunden. Verbindliche, nachvollziehbare Regeln helfen allen beim richtigen Umgang mit Feedback.

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Fazit

Gerade im Vertrieb, wo viele Mitarbeiter Zielvorgaben erfüllen müssen, wovon dann die Höhe des Gehalts abhängt, wäre regelmäßiges Feedback sehr sinnvoll. Denn Feedback hilft nicht nur, diese Ziele transparent zu machen, sondern genauso, Zielvorgaben an die Leistungen und Fähigkeiten der Mitarbeiter anzupassen und so besser mit den Unternehmenszielen in Einklang zu bringen. Eine konstruktive, offene Feedbackkultur hat viele Vorteile. Wir schaffen und gestalten sie alle mit. Das erfordert viel Arbeit und oft erst einmal ein Umdenken. Dennoch kann sie die Zusammenarbeit nachhaltig verbessern. Davon werden am Ende alle profitieren.

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Gender-Hinweis
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir die geschlechtsspezifische Differenzierung nicht durchgehend, sondern meist das generische Maskulinum (z. B. „der Arbeitgeber“). Sämtliche Personenbezeichnungen gelten jedoch gleichermaßen für jedes Geschlecht und sollen keinerlei Benachteiligung darstellen. Die verkürzte Sprachform hat ausschließlich redaktionelle Gründe und ist wertfrei.

Beitragsbild: Adobe Stock | oatawa

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