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Erwartungen an den Arbeitsplatz – Und noch einmal: Die Schuldfrage

Drei Dinge brauchte früher der Mann, um zufrieden im Sessel zu sitzen. Eins mit sich und der Welt den Tag Revue passieren zu lassen: Feuer, Pfeife und Stanwell. Das ist heute anders. Zumindest dann, wenn Mann (oder auch Frau) zur Zufriedenheit mit ihrem Job befragt werden. Da gibt es hohe Ansprüche! Gerade junge und gut qualifizierte Arbeitnehmer hierzulande haben im internationalen Vergleich ziemliche Erwartungen an den Arbeitsplatz.

Eigener Schreibtisch und flexible Arbeitszeiten

So wollen laut einer Studie z. B. 85 %  der ca. 25-jährigen einen Schreibtisch ganz für sich alleine, der auch persönlich gestaltet werden kann. Für 60 % sollen es schon zwischen 12 und 16 Quadratmeter pro Arbeitsplatz sein, um sich wohlfühlen zu können. Verständlich, wenn man oft mehr als acht Stunden an diesem Platz verbringt, finden Sie? Stimmt, aber 76 % der deutschen Umfrageteilnehmer haben auch flexible Arbeitszeitmodelle und die Möglichkeit, mobil zu arbeiten, auf ihrer Wunschliste.

In den Zeiten, in denen man dann naturgemäß nicht an seinem Schreibtisch ist, den dann teilen? Mitnichten! Nur 8 % können sich das vorstellen. Zur mobilen Arbeitsmöglichkeit gehört natürlich die entsprechende Ausstattung, die der Arbeitgeber stellen soll: Laptop, Smartphone oder ähnliches.

Vergleichsweise großen Wert legen diese Nachwuchskräfte auch auf die Vergütung. Die steht in Deutschland nach dieser Studie ganz oben. Es folgen die künftigen Kollegen und die Bedeutung der Aufgabe. Die Möglichkeit, etwas zu lernen? Doch, die kommt auch. Schon an sechster Stelle.

Genügend Freizeit und Verantwortung, bitte schön

Auch bei den etwas Älteren, die zwischen 1970 und 1990 geboren sind, sieht es ähnlich aus. Die individuelle Entfaltung der Persönlichkeit steht ganz vorne in allen Bereichen der Lebensplanung: Genügend Freizeit, um Privates und Berufliches zu vereinbaren, Beteiligung an der Entwicklung des Unternehmens, Entscheidungen gemeinsam zu treffen, sich aktiv in die strategische Planung einbringen können …

Dazu gehört auch, Verantwortung übernehmen zu können und Projekte praktisch umzusetzen, Förderung durch den Vorgesetzten und natürlich ein sicherer Arbeitsplatz mit langfristiger Perspektive. Wohl fühlen will man sich auch im Job, Wertschätzung erfahren, respektiert werden.

Alle Wünsche und Erwartungen an den Arbeitsplatz sind nachvollziehbar, nicht wahr? Und auch nicht von vorn herein eine Zumutung an Arbeitgeber oder gar verkehrt.

Paradies im Arbeitsleben

Die Frage darf jedoch gestellt werden: Wie oft sollte in den Köpfen derjenigen, die sich dieses Paradies im Arbeitsleben vorstellen, alles gleichzeitig erfüllt werden? Ein paar Monate? Ein ganzes Arbeitsleben hindurch ohne Unterbrechungen? Wenn wir von einem Arbeitsbeginn mit ca. 25 Jahren ausgehen und einem Eintritt ins Rentenalter mit 67, dann liegen dazwischen gut 40 Jahre. Eine lange Zeit!

Die Chance, dass all die Jahre so verlaufen, wie man sich das vorstellt, scheint äußerst gering. Rückschläge und Frustrationen sind also vorprogrammiert und unausweichlich. Je höher die Erwartungen an den Arbeitsplatz, desto größer und wahrscheinlicher die Enttäuschungen. Wer sich nicht darauf einstellt, der läuft Gefahr, innerlich zu kündigen.

Erwartungen an den Arbeitsplatz – der Chef soll’s richten

Vorgesetzte haben es also nicht leicht, wenn sie dem Phänomen der inneren Kündigung entgegen wirken sollen. Und sie werden es in Zukunft eher noch schwerer haben, wenn man den oben genannten Zahlen glauben darf. Denn all diese Erwartungen für alle Mitarbeiter immer zu erfüllen … Seien Sie ehrlich! Können Sie sich ernsthaft vorstellen, dass das geht? Ganz nebenbei sind Vorgesetzte ja auch „nur“ Mitarbeiter mit Wünschen und Erwartungen an den Arbeitsplatz. Wer fragt eigentlich nach deren Arbeitszufriedenheit?

Bis das geklärt ist, ist jeder Vorgesetzte gut beraten, sich bei seiner täglichen Vorbereitung auf den Arbeitstag folgendes Mantra ins Gedächtnis zu rufen:

„Mindestens die Hälfte meines Einkommens ist kein Gehalt für erbrachte Leistungen. Mindestens die Hälfte meines Einkommens ist Schmerzensgeld!“

Machen Sie es gut!

Ihre
Sabine Kanzler

Bild: rawpixel | pixabay.com

24. Oktober 2016|SalesLife|