Handelsvertreter werden: Aufgaben, Anforderungen & Einkommen

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Es gibt viele Menschen, die sich nicht vorstellen können, ihr ganzes Berufsleben immer derselben Tätigkeit nachzugehen. Geht es Ihnen genauso? Wenn Sie sich einen abwechslungsreichen Job mit viel Kundenkontakt wünschen und noch dazu gern selbstständig im Vertrieb arbeiten wollen, werden Sie Handelsvertreter. Wir zeigen Ihnen, welche Aufgaben, Rechte und Pflichten ein Handelsvertreter hat, wie Sie in dieses Berufsfeld einsteigen und mit welchem Einkommen Sie rechnen können. Passende Stellenausschreibungen finden Sie direkt auf unserem Karriereportal für Fach- und Führungskräfte im Vertrieb.

Infografik zum Berufsbild Handelsvertreter mit Angaben zu Ausbildung (kaufmännische Ausbildung, technische Ausbildung, BWL), Soft Skills (Kommunikationsfähigkeit, Selbstständigkeit, Teamfähigkeit), technischen Kenntnissen (CRM, Salesforce, Hubspot), Aufgaben (z. B. Führerschein, Beratung, Betreuung, Vertrieb) sowie dem Jahresgehalt von 34.800 Euro bis 52.200 Euro
Infografik zum Berufsbild Handelsvertreter mit Angaben zu Ausbildung (kaufmännische Ausbildung, technische Ausbildung, BWL), Soft Skills (Kommunikationsfähigkeit, Selbstständigkeit, Teamfähigkeit), technischen Kenntnissen (CRM, Salesforce, Hubspot), Aufgaben (z. B. Führerschein, Beratung, Betreuung, Vertrieb) sowie dem Jahresgehalt von 34.800 Euro bis 52.200 Euro

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Definition: Was ist ein Handelsvertreter?

Das Handelsgesetz (§ 84 HGB) definiert den Handelsvertreter als selbstständigen Gewerbetreibenden. Ein freier Handelsvertreter ist demnach ein Unternehmer, der dauerhaft im Auftrag anderer Unternehmen Geschäfte vermittelt oder abschließt. In seiner Funktion als Absatzhelfer in einem indirekten, mehrstufigen Vertriebssystem kümmert er sich um Vermarktung und Verkauf von Waren bzw. Dienstleistungen seines oder seiner Auftraggeber. Für seine Tätigkeit erhält er eine erfolgsbasierte Provision. Dabei unterscheidet man zwischen einem

  • Abschlussvertreter, der berechtigt ist, im Namen seines Auftraggebers Verträge abzuschließen.
  • Vermittlungsvertreter, der Kunden an seinen Auftraggeber vermittelt. Der Vertragsschluss erfolgt dann zwischen Kunden und Auftraggeber.
  • Einfirmenvertreter, der ausschließlich für ein Unternehmen tätig ist und meist einem vertraglichen Wettbewerbsverbot unterliegt.
  • Mehrfirmenvertreter, der parallel für mehrere Auftraggeber arbeitet, deren Angebot aber nicht direkt miteinander konkurrieren darf.

Selbstständige Handelsvertreter benötigen zur Gründung ihres Unternehmens einen Gewerbeschein und müssen ihr Gewerbe anmelden. Sie können dabei zwischen verschiedenen Rechts- und Gesellschaftsformen wählen. Die meisten Handelsvertreter sind Einzelunternehmer. Aber es gibt auch Handelsvertretungen, die als Personen- (z.B. oHG, KG) oder Kapitalgesellschaften (z.B. GmbH, AG) firmieren.

Als externer Vertriebspartner schließt ein Handelsvertreter mit einem Unternehmen einen rechtsverbindlichen Handelsvertretervertrag ab und übernimmt in dessen Namen und auf dessen Rechnung zahlreiche vertriebliche Aufgaben von der Akquise neuer Kunden über Produktpräsentationen und Beratungsleistungen bis hin zum Verkauf (bzw. Vermittlung) und der Stammkundenbetreuung.

Unterschied Handelsvertreter und Reisender

Unter dem Begriff »Reisender« bzw. »Handlungsreisender« versteht man im betriebswirtschaftlichen Sinne einen angestellten Vertriebsmitarbeiter im Außendienst. Im Unterschied zum freien Handelsvertreter ist ein Reisender abhängig beschäftigt und weisungsgebunden. Er hat die Rechte und Pflichten eines Arbeitnehmers, während der Handelsvertreter eigenverantwortlich auf selbstständiger Basis arbeitet.

Unterschied Handelsvertreter und Kommissionär

Ein Kommissionär fungiert ebenfalls als selbstständiger Absatzhelfer. Er verkauft Waren oder Dienstleistungen zwar auf Rechnung seines Auftraggebers, aber im eigenen Namen. Damit wird er Vertragspartner des Käufers. Wie zum Beispiel ein Getränkehändler, der die Produkte einer Brauerei in Kommission nimmt, um sie an die eigenen Kunden zu veräußern. Im Gegensatz dazu agiert ein Handelsvertreter stets im fremden Namen und auf fremde Rechnung und hat daher keine vertragliche Beziehung zu den Kunden, die er an seinen Auftraggeber vermittelt.

Abgrenzung zum Handelsmakler

Ein Handelsmakler übernimmt die Geschäftsvermittlung zwischen wechselnden Parteien, ohne dauerhafte Bindung an eine davon. Er ist neutral und muss deshalb die Interessen beider Seiten wahren und ausgewogen handeln. Anders der Handelsvertreter, der einseitig dem Unternehmen verpflichtet ist, das ihn beauftragt hat. Seine Aufgabe besteht darin, die Interessen dieses Unternehmens zu vertreten und Geschäfte für genau diesen Auftraggeber zu vermitteln.

Handelsvertreter werden auf Englisch Sales Representative (kurz: Sales Rep.) genannt. Eine Bezeichnung, die auch in deutschen Stellenanzeigen immer häufiger auftaucht. Allerdings können damit genauso Jobs in Festanstellung gemeint sein, wenn Firmen einen Außendienstmitarbeiter für ihren Vertrieb suchen. Enthalten Stellenangebote Schlagworte wie »§ 84 HGB«, »Selbstständigkeit«, »Provisionsbasis« oder »Gewerbeschein«, ist auf jeden Fall ein freier Handelsvertreter gefragt. Ein Handelsvertreter im Sinne des Handelsgesetzbuches

  • hat ein eigenes Gewerbe,
  • steht in dauerhafter Geschäftsbeziehung zu seinem Auftraggeber,
  • bestimmt seine Arbeitszeit selbst,
  • gestaltet seine Tätigkeit ohne ständige Weisung durch den Auftraggeber frei,
  • ist für seine Kosten und sein Risiko als Unternehmer allein verantwortlich,
  • hat einen Provisionsanspruch gegen seinen Auftraggeber.

Welche Branchen gibt es für Handelsvertreter?

Unternehmen setzen gern auf den Service von Handelsvertretern. Denn dadurch ergeben sich einige Vorteile: Einerseits bringen die externen Vertriebspartner die nötige verkäuferische Expertise mit, da Handelsvertreter Vertrieb als ihr Geschäftsmodell beherrschen. Andererseits kann ein Unternehmen Kosten und Ressourcen sparen, indem es seine eigene Vertriebsorganisation schlank hält oder seinen Vertrieb komplett outsourced. Laut einer aktuellen Stellenmarktauswertung* suchen derzeit vor allem Wirtschaftsdienstleister, der Bereich Information und Kommunikation sowie die Industrie nach Handelsvertretern.

"Ein horizontales Balkendiagramm zeigt, in welchen fünf Branchen die meisten Stellen für Handelsvertreter angeboten werden: Wirtschaftliche Dienstleistungen (3.042 Stellen), Information und Kommunikation (2.945 Stellen), Verarbeitendes Gewerbe (2.568 Stellen), Technische Dienstleistungen (2.130 Stellen) sowie Kraftfahrzeuge (1.029 Stellen)."

Auch technische Dienstleister und die KFZ-Sparte gehören momentan zu den Top-Branchen für Handelsvertreter. Die Einsatzmöglichkeiten sind also breit gefächert und nicht auf eine bestimmte Branche beschränkt. Handelsvertreter Jobs findet man überall, wo Unternehmen ein indirektes Vertriebsmodell mit externen Partnern nutzen. Viele Handelsvertreter haben sich entsprechend ihrem beruflichen Hintergrund oder persönlicher Neigungen auf einen bestimmten Bereich spezialisiert, z.B. als:

Handelsvertreter für Bauelemente

Handelsvertreter für Bauelemente übernehmen den Vertrieb für Hersteller von Bauteilen wie Fenster oder Türen. Dabei wird ihnen entweder ein bestimmter Bezirk oder Kundenkreis zugeteilt, der unter anderem aus Bauunternehmen, Architekten oder privaten Bauherren bestehen kann und den sie eigenständig erweitern. Für diese Position ist es vorteilhaft, sich im Baugewerbe gut auszukennen. Handwerker wie Tischler und Schreiner oder aber Bauingenieure bringen hier ideale Voraussetzungen mit.

Handelsvertreter für Medizinprodukte

Für den freiberuflichen Vertrieb von Medizinprodukten und -technik sind Unternehmen in den meisten Fällen auf der Suche nach Vertretern, die Erfahrung im Praxis- oder Klinikvertrieb oder aber einen medizinischen bzw. technischen Background mitbringen. Es handelt sich um einen Job mit hoher Verantwortung dem Menschen gegenüber. Zum Nachweis der nötigen Sachkenntnis bei der richtigen Anwendung medizinischer Produkte schreibt das Medizinprodukterecht-Durchführungsgesetz (§ 83 Abs. 3 MPDG) regelmäßige fachlich-rechtliche Schulungen vor.

Handelsvertreter für Wintergärten

Wintergärten liegen im Trend. Sie sorgen nicht nur für eine Wertsteigerung der Immobilie, sondern punkten obendrein bei den Themen Nachhaltigkeit und Lebensqualität. In der Regel übernimmt man als Handelsvertreter für Wintergärten neben Beratung und Verkauf auch die Bauplanung in Zusammenarbeit mit einem Planungsteam. Handwerkliches Verständnis und gute kaufmännische Kenntnisse sind für diesen Job oft Voraussetzung.

Üblicherweise betreuen Handelsvertreter ein bestimmtes, regionales Vertriebsgebiet, in dem sie alleinvertretungsberechtigt sein können, wenn dies im Handelsvertretervertrag ausdrücklich festgelegt ist. Zur Erschließung und Bearbeitung ausländischer Märkte werden nicht wenige Handelsvertreter international eingesetzt. Umgekehrt suchen ausländische Unternehmen, die am deutschen Markt Fuß fassen wollen, nach hier ansässigen Handelsvertretern.

Aufgaben: Was macht ein Handelsvertreter?

Handelsvertreter kümmern sich als Absatzhelfer um den Vertrieb und Verkauf von Waren und Dienstleistungen im Auftrag Dritter. Die Handelsvertreter Aufgaben ähneln im Großen und Ganzen denen eines angestellten Außendienstmitarbeiters. Im Fokus ihrer Tätigkeit steht die Umsatzförderung für ihren jeweiligen Auftraggeber. Dazu pflegen sie gute Beziehungen zu Stammkunden und bemühen sich, den Kundenkreis kontinuierlich auszubauen. Sie repräsentieren das Unternehmen ihres Auftraggebers gegenüber Kunden und stellen dort dessen Produkte vor.

"In einem horizontalen Balkendiagramm sind die fünf wichtigsten berufsspezifischen Handelsvertreter Aufgaben abgebildet. Am häufigsten werden Vertriebsaufgaben (5.850 Nennungen), Kunden (3.644 Nennungen) sowie Verkauf (3.199 Nennungen) genannt, gefolgt von Kundenberatung (3.038 Nennungen) und Produktpräsentationen (2.695 Nennungen)."

Ein zentraler Punkt der Handelsvertreter Aufgaben liegt in der sach- und fachgerechten Beratung und Betreuung von Kunden. Der Handelsvertreter muss ermitteln, welche konkreten Anforderungen und Wünsche ein Kunde hat und sein Angebot entsprechend ausgestalten, damit sich der Kunde dafür entscheidet. Dabei arbeitet er mit der Firma seines Auftraggebers eng zusammen, dem er auch regelmäßig über den Stand seiner Aktivitäten berichtet.

"Ein horizontales Balkendiagramm zeigt von oben nach unten absteigend die fünf wichtigsten allgemeinen Aufgaben eines Handelsvertreters: Betreuung (2.912 Nennungen), Beratung (2.674 Nennungen), Zusammenarbeit (2.596 Nennungen) sowie Identifikation (2.412 Nennungen) und Entwicklung (2.349 Nennungen)."

Im Arbeitsalltag ist der Handelsvertreter bei seinen Kunden präsent, was bedeutet, dass auch die Organisation von Reiseroute und Kundenbesuchen zu seinen Aufgaben gehört. Zusätzlich befasst er sich mit Marktanalysen zur Identifikation neuer Absatzchancen und der Optimierung von Verkaufsstrategien. Doch nicht nur das: Als Selbstständiger muss er auch Zeit und Arbeit in seinen eigenen Betrieb investieren. Das umfasst weitere Aufgaben wie

  • Finanzplanung und Buchhaltung
  • Netzwerke und Außenauftritt pflegen
  • eigene Mitarbeiter anleiten
  • Weiterbildungen absolvieren
  • ggf. neue Auftraggeber akquirieren

Handelsvertreter Voraussetzungen: Welche Kompetenzen sind gefragt?

Die Möglichkeit, im Rahmen einer selbstständigen Tätigkeit den Arbeitsalltag frei und eigenverantwortlich gestalten zu können, ist für viele ein ausschlaggebender Punkt, Handelsvertreter zu werden. Doch um hier auch erfolgreich zu sein, benötigen Sie einige essenzielle Kompetenzen und Kenntnisse.

Hervorragende kommunikative Fähigkeiten stehen dabei an erster Stelle. Als Selbstständiger müssen Sie zielfokussiert, motiviert und aus eigener Initiative heraus handeln. Sie sollten zwar ein Teamplayer, dabei aber genauso durchsetzungsstark wie verhandlungssicher sein. Hohe Kundenorientierung stellt für einen Handelsvertreter ebenfalls eine entscheidende Fähigkeit dar.

"Horizontales Balkendiagramm mit den zehn wichtigsten Soft Skills für Handelsverter: Kommunikationsfähigkeit steht mit 6.336 Nennungen an erster Stelle, gefolgt von Selbstständigkeit (4.890 Nennungen), Teamfähigkeit (3.440 Nennungen), Durchsetzungsvermögen (3.250 Nennungen) und Zielorientierung (2.693 Nennungen). Auf den Plätzen sechs bis zehn stehen Eigenmotivation, Eigeninitiative, Verhandlungsgeschick, Kundenorientierung und Beigeisterungsfähigkeit."

Ein wichtiges Handwerkszeug für Handelsvertreter sind Datenverarbeitungssysteme. Damit koordinieren Sie Ihre Aufträge, überwachen Verkaufszahlen, pflegen Ihre Kundendaten, erstellen Rechnungen und anderes mehr. Kurzum: Software unterstützt Sie effektiv bei der Organisation Ihrer Arbeit. Aus diesem Grund sollten Sie den Umgang mit im Vertrieb gängigen Systemen beherrschen. Dazu zählen CRM-Tools, allen voran Salesforce und HubSpot, sowie Microsoft Excel und Powerpoint.

"Ein horizontales Balkendiagramm bildet die für Handelsvertreter fünf wichtigsten Kenntnisse im Bereich Software ab. Am häufigsten werden CRM-Kenntnisse gefordert (1.195 Nennungen), gefolgt von Salesforce (580 Nennungen), HubSpot (527 Nennungen), Microsoft Excel (501Nennungen) sowie Microsoft PowerPoint (280 Nennungen)."

Wer andere überzeugen will, muss sich gut und verständlich ausdrücken. Und das nicht nur auf Deutsch, sondern zunehmend auch auf Englisch. Verhandlungssichere Kenntnisse in diesen beiden Sprachen werden von Unternehmen in Handelsvertreter Stellenangeboten am häufigsten gefordert. Für einen Handelsvertreter, der viel international tätig sein möchte, können Sprachen wie Französisch, Spanisch oder italienisch relevant sein.

"Horizontales Balkendiagramm, das von oben nach unten absteigend die fünf wichtigsten Sprachkenntnisse für Handelsvertreter darstellt. Deutsch (5.877 Nennungen) und Englisch (5.192 Nennungen) liegen vorn. Seltener genannt werden Französisch (291 Nennungen), Spanisch (146 Nennungen) und Italienisch (145 Nennungen)."

Als Handelsvertreter haben Sie, trotz anfallender Schreibtischarbeiten, keinen klassischen 8-Stunden-Bürojob. Stattdessen besuchen Sie Ihre Kunden vor Ort. Sie sollten also gerne reisen, einen Führerschein und gegebenenfalls ein eigenes Fahrzeug besitzen. Einfirmenvertreter bekommen von ihrem Auftraggeber oftmals sogar einen Firmenwagen gestellt.


Für Ihren beruflichen Erfolg ist der richtige Auftritt gegenüber Kunden und Geschäftspartnern ebenso entscheidend, wie Ihre fachlichen und persönlichen Kompetenzen. In unserem Ratgeber »Kundenbesuch planen und gestalten« finden Sie viele hilfreiche Tipps rund um die Organisation Ihrer Termine.


Rechte und Pflichten des Handelsvertreters

Der Schritt in die Selbstständigkeit will gut überlegt und vorbereitet sein. Neben Gewerbeschein und Gewerbeanmeldung ist ein Eintrag ins Handelsregister erforderlich, sofern die gewählte Rechtsform (Personen- oder Kapitalgesellschaft) es verlangt oder aber der Umfang des Geschäfts im Hinblick auf Umsatz und Mitarbeiterzahl eine bestimmte Größenordnung erreicht. Zusätzlich sollten Sie sich schon im Vorfeld mit den Rechten und Pflichten eines Handelsvertreters auseinandersetzen. Die gesetzlichen Grundlagen finden Sie im Handelsgesetzbuch (§§ 84 – 92c).

» Informations- und Sorgfaltspflicht

Als freier Handelsvertreter sind Sie verpflichtet, Ihre Geschäfte mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns auszuführen und zu dokumentieren. Sie müssen die Interessen Ihres Auftraggebers wahren und sich aktiv um die Geschäftsvermittlung in dessen Namen kümmern. Außerdem sind Sie verpflichtet, Ihrem Auftraggeber relevante Informationen zu jedem Auftrag zu übermitteln und ihm unverzüglich jede Vermittlung bzw. jeden Abschluss anzuzeigen.

» Wettbewerbsverbot

Als Handelsvertreter unterliegen Sie in der Regel einem Wettbewerbsverbot. Das heißt, Sie dürfen mindestens während der Vertragslaufzeit nicht für ein konkurrierendes Unternehmen tätig werden, es sei denn Ausnahmen werden ausdrücklich vertraglich geregelt. Wollen Sie als Mehrfirmenvertreter arbeiten, stellen Sie vorher unbedingt sicher, dass Ihre Auftraggeber nicht unmittelbar miteinander in Konkurrenz stehen. Im Zweifelsfall stimmen Sie sich mit dem Unternehmen ab und treffen im Vertrag eine Vereinbarung über die Einzelheiten der anderweitig gestatteten Vertriebstätigkeiten.

» Recht auf Provision und Ausgleichsanspruch nach Beendigung des Vertrags

Für Ihre Tätigkeit schuldet Ihnen Ihr Auftraggeber eine vorher vereinbarte Provision. Damit der Anspruch auf die Provisionszahlung entsteht, muss das Geschäft inklusive Kaufpreiszahlung durch den Kunden an den Auftraggeber vollständig abgeschlossen sein. Provisionen werden üblicherweise monatlich abgerechnet. Die Abrechnung muss unverzüglich erfolgen, spätestens aber zum Ende des Folgemonats.

Kündigt der Auftraggeber den Vertrag oder müssen Sie aus wichtigen persönlichen Gründen (z.B. Erkrankung) das Vertragsverhältnis beenden, steht Ihnen ein Ausgleichsanspruch zu (§ 89b HGB). Dabei handelt es sich um eine Art Entschädigung für den Kundenstamm, den Sie auf- oder ausgebaut haben und dem Unternehmer überlassen. Der Höhe nach entspricht der Ausgleichsanspruch maximal einer Jahresprovision gemessen am Durchschnitt der in den vergangenen fünf Jahren erzielten Provisionen. Der Ausgleichsanspruch entfällt für Handelsvertreter im Nebenberuf oder falls die Kündigung aufgrund eigenen Fehlverhaltens ausgesprochen wurde.

» Der Handelsvertretervertrag

Grundlage der Zusammenarbeit ist der Vertrag, den Sie mit Ihrem Auftraggeber schließen. Formvorschriften bestehen nicht, sodass selbst eine mündliche Vereinbarung möglich ist. Aus Gründen der Rechtssicherheit für beide Seiten sowie zu Nachweiszwecken sollte der Handelsvertretervertrag aber schriftlich niedergelegt werden und alle wesentlichen Punkte des Vertragsverhältnisses abbilden. Dazu gehört unter anderem:

  • Bezeichnung und rechtliche Stellung der beteiligten Parteien
  • Beschreibung der zu vertreibenden Produkte
  • Festlegung des Vertriebsgebiets
  • Recht zur oder Ausschluss der Alleinvertretung
  • gegenseitige Informations- und Berichtspflichten
  • Regelung des Provisionsanspruchs
  • Verschwiegenheitsverpflichtung
  • Wettbewerbsverbot bzw. Ausnahmen hiervon
  • Vertragsdauer
Handelsvertreter Symbolbild: Ein junger Geschäftsmann in legerer Business-Kleidung und mit Schultertasche läuft eine Straße entlang und liest dabei Nachrichten auf seinem Smartphone.

» Scheinselbstständigkeit und Rentenversicherungspflicht

Ein Handelsvertreter unterliegt solange nicht dem Verdacht der Scheinselbstständigkeit, wie er seine Arbeitszeit selbst bestimmt und seine Tätigkeit frei ausübt. Die Zahl der Auftraggeber spielt in diesem Zusammenhang eine untergeordnete Rolle. Selbstständige Handelsvertreter müssen auf ihr Einkommen deshalb keine Sozialversicherungsabgaben zahlen.

Allerdings kann – speziell für Einfirmenvertreter – eine Beitragspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung entstehen. Nämlich wenn der Vertreter dauerhaft nur einen Auftraggeber hat und selbst keine versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigt (§ 2 Abs. 1 Nr. 9 SGB VI). Wenn Sie sich gerade selbstständig machen wollen, können Sie sich aber in der Existenzgründungsphase für drei Jahre von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen.

Bei der Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit als Handelsvertreter gibt also einiges zu beachten. Wir empfehlen Ihnen, sich juristischen und steuerrechtlichen Fachrat einzuholen, damit Sie Ihren Traum von der eigenen Firma ohne Stolperfallen verwirklichen können.

Unter welchen Voraussetzungen kann ich Handelsvertreter werden?

Grundsätzlich ist die Tätigkeit als Handelsvertreter mit Ausnahme der Gewerbeanmeldung an keine besonderen Voraussetzungen geknüpft. Es gibt auch keine spezielle Ausbildung zum Handelsvertreter. Darum eignen sich ganz verschiedene Ausbildungshintergründe, um diesen Beruf zu ergreifen. In Ihrer beruflichen Grundbildung haben Sie idealerweise Fachkenntnisse erworben, die Sie als Handelsvertreter brauchen.

"Ein horizontales Balkendiagramm zeigt die wichtigsten Ausbildungen für Handelsvertreter: Eine kaufmännische Ausbildung liegt mit 1.479 Nennungen vorn, gefolgt von einem technischen Ausbildungshintergrund (754 Nennungen). Weiterhin gefragt ist ein BWL-Studium (393 Nennungen), ein wirtschaftswissenschaftliches Studium (360 Nennungen) oder ein Abschluss im Bereich Marketing (300 Nennungen)."

Unternehmen, die nach Handelsvertretern suchen, setzen dabei meistens eine kaufmännische Ausbildung (z.B. als Kaufmann für Einzelhandel oder Industriekaufmann) oder eine technische Ausbildung (z.B. als Elektrotechniker oder Industriemechaniker) voraus. Alternativ eignen sich Studiengänge wie BWL, Wirtschaftswissenschaften oder Marketing.

Ein Handelsvertreter muss unternehmerisch denken und handeln, aber er braucht genauso Produkt- und Branchenkenntnisse. Deshalb ist es sehr hilfreich, wenn Ihr Ausbildungshintergrund zu der Branche passt, in der Sie sich als Handelsvertreter etablieren möchten. Außerdem sollten Sie Vertriebserfahrung mitbringen bzw. im kundennahen Bereich gearbeitet haben. Besonders gut geeignet ist der Job als Handelsvertreter für angestellte Vertriebsmitarbeiter, die eine selbstständige Tätigkeit anstreben.

Weiterbildung als Handelsvertreter

In einigen Branchen sind regelmäßige Weiterbildungsmaßnahmen gesetzlich vorgeschrieben, wie etwa für Handelsvertreter für Medizinprodukte. Selbst wenn das nicht der Fall ist, gehören Schulungen und Weiterbildungen mit zu den Handelsvertreter Aufgaben. Sei es im Hinblick auf das Handelsvertreterrecht, auf Produktneuerungen oder auf die Weiterentwicklung der eigenen verkäuferischen Fähigkeiten: Sich weiterzubilden ist essenziell für den beruflichen Erfolg – gerade vor dem Hintergrund des technologischen Fortschritts und sich wandelnder Märkte.


Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber Weiterbildung im Vertrieb: Welche Maßnahmen gibt es?


Provision oder Gehalt: Was verdient ein Handelsvertreter?

Das Gehalt für Handelsvertreter besteht aus der Provision, die mit dem Auftraggeber ausgehandelt wurde. Durchschnittlich verdient ein Handelsvertreter zwischen 34.800 Euro bis 52.200 Euro brutto im Jahr. Das mittlere Einkommen liegt bei ca. 43.500 Euro. Dabei ist zu berücksichtigen, dass vom Bruttogehalt im Regelfall keine Sozialabgaben abgezogen werden und auch keine Lohnsteuer anfällt. Dafür müssen Handelsvertreter Einkommenssteuer zahlen, sich privat absichern und ihren eigenen Betrieb finanzieren.

Wie viel Provision bekommt ein Handelsvertreter?

Die Höhe der Provision ist generell Verhandlungssache und sollte idealerweise in den Handelsvertretervertrag aufgenommen werden. Gibt es keine Vereinbarung, gilt, was im Allgemeinen üblich ist. Grundsätzlich orientieren sich Provisionen prozentual am Wert der Ware bzw. Dienstleistung, mit deren Vertrieb der Handelsvertreter beauftragt ist. Die Sätze können sich zwischen 3 % und 50 % bewegen – im Schnitt sind es 10 %. Dabei gilt: Je höher der Warenwert, desto niedriger der Prozentsatz für die Provision.

Ein Handelsvertreter, der eher geringerwertige Verbrauchsgüter vertreibt, kann pro Auftrag mit einer Provision von bis zu 50 % rechnen, muss dafür aber eine hohe Zahl an Abschlüssen vermitteln. Demgegenüber erhält beispielsweise ein Handelsvertreter im Fertighaus-Vertrieb etwa 3 % bis 5 % Provision. Gemessen am Kaufpreis für ein schlüsselfertiges Einfamilienhaus kann hier schon ein einziger Verkauf ein Einkommen von ca. 20.000 Euro bedeuten. Allerdings kosten Akquise, Beratung und Betreuung des Kunden sehr viel Zeit und Arbeit und die Chance auf weitere Verkäufe an denselben Kunden geht – anders als bei Verbrauchsgütern – gegen Null.

Gehalt Handelsvertreter nach Region und Branche

  • Neben dem Warenwert spielt beim Handelsvertreter Einkommen die geografische Lage des Vertriebsgebiets eine Rolle. So verdient ein Handelsvertreter im Raum Stuttgart durchschnittlich 56.000 Euro, in Hamburg sind es 53.000 Euro und in Leipzig etwa 47.000 Euro.
  • Bezogen auf die Branche sind die Verdienstchancen für Handelsvertreter dort besonders hoch, wo Investitionsgüter oder komplexe Dienstleistungen angeboten werden. Pharmavertreter oder Handelsvertreter für Medizinprodukte können ein Einkommen von bis zu 90.000 Euro erzielen. Im Einzelhandel dagegen beträgt es durchschnittlich 40.000 Euro.

Da Handelsvertreter im Gegensatz zu Handelsreisenden kein fixes Grundgehalt bekommen, hängt ihr Verdienst unmittelbar von der eigenen Leistung ab. Durch die Wahl der passenden Branche und der richtigen Auftraggeber sowie mit viel Verhandlungsgeschick und persönlichem Engagement kann das individuelle Einkommen eines Handelsvertreters weit über den Durchschnittswerten liegen.

Vor- und Nachteile reisender Handelsvertreter

Selbstständig zu sein, ist für viele ein Traum. Dennoch sollte man diesen Schritt sehr gut überlegen. Denn die unternehmerische Freiheit, die ein Handelsvertreter genießt, hat auch einige Nachteile:

  • Das Einkommen ist von der Auftragslage abhängig und kann stark schwanken.
  • Man trägt das unternehmerische Risiko allein.
  • Der Leistungsdruck ist hoch.
  • Man ist viel unterwegs.

Auf der anderen Seite ist eine selbstständige Tätigkeit im Vertrieb trotzdem reizvoll. Gerade das Unterwegssein bringt viel Abwechslung in den Arbeitsalltag und man trifft viele Menschen, denen man sonst vielleicht nie begegnet wäre. Ein freier Handelsvertreter kann außerdem selbst entscheiden, wie er seinen Arbeitsalltag gestaltet und sich seine Auftraggeber aussuchen. Er hat die Möglichkeit, bei entsprechendem Engagement sehr gut zu verdienen.

Unternehmen suchen Handelsvertreter: Jetzt Vertriebspartner werden!

Unternehmen brauchen für den Absatz ihrer Produkte eine verlässliche Vertriebsorganisation, um am Markt erfolgreich zu sein und weiter zu wachsen. Selbstständige Handelsvertreter stellen dabei ein wichtiges Glied in der Vertriebskette dar. Dass Unternehmen diese externen Vertriebspartner schätzen, spiegelt sich auch am Stellenmarkt wieder. Im vergangenen Jahr haben mehr als 4.000 Firmen in Deutschland über 12.600 Handelsvertreter Jobs ausgeschrieben.

"Eine Textgrafik visualisiert die Nachfrage nach Handelsvertretern in Deutschland im Zeitraum vom 01.08.2024 bis 31.07.2025: 4.107 Firmen suchten insgesamt 12.625 Handelsvertreter."

Sie schätzen eine eigenverantwortliche Arbeitsweise und unternehmerische Freiheit? Sie sind zielstrebig, können sich selbst gut organisieren, hervorragend kommunizieren und geschickt verhandeln? Dann bewerben Sie sich jetzt als freier Handelsvertreter!


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*Woher stammen die Daten?

Die Daten in unseren Infografiken stammen aus umfangreichen, deutschlandweiten Auswertungen von Handelsvertreter Stellenangeboten im Zeitraum vom 01.08.2024 bis 31.07.2025. Durchgeführt wurden die Auswertungen vom Marktforschungsteam von index research, dem europäischen Marktführer in der Arbeits- und Stellenmarktanalyse. index erfasst und analysiert jährlich über 38 Mio. Stellenanzeigenschaltungen aus mehr als 500 Print- und Online-Medien sowie von über 230.000 Firmen-Websites in 10 europäischen Ländern.


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Porträt von Paul Schulze

Paul Schulze

Autor/Editor

Ohne unseren – mittlerweile ehemaligen – Online Marketing Manager Paul Schulze würden Sie hier absolut nichts sehen. Von Ende 2021 bis Anfang 2024 kümmerte er sich um das gesamte Marketing für salesjob – von der Website über die Newsletter bis hin zu Social Media, Videos, Messeauftritte und noch ganz viel mehr. Wenn er mal nicht für salesjob in die Tasten gehauen hat, ging Paul seiner Leidenschaft – der Fotografie – nach.

Redaktioneller Hinweis
Sämtliche Gehaltsangaben beziehen sich auf das jährliche Bruttoeinkommen. Die genannten Werte dienen als ungefähre Orientierung. Sie basieren auf Angaben der Vergleichsportale gehaltsvergleich.com, gehalt.de und stepstone.de, die aufgrund unterschiedlicher Quellenlage und Erhebungsmethoden jeweils voneinander abweichen.

Gender-Hinweis
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir die geschlechtsspezifische Differenzierung nicht durchgehend, sondern meist das generische Maskulinum (z. B. „der Vertriebsassistent“). Sämtliche Personenbezeichnungen gelten jedoch gleichermaßen für jedes Geschlecht und sollen keinerlei Benachteiligung darstellen. Die verkürzte Sprachform hat ausschließlich redaktionelle Gründe und ist wertfrei.

Beitragsbild: Adobe Stock; Maridav // Grafiken: salesjob Stellenmarkt GmbH

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